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Geschichte der FAAV Karbonaria 1 Gründung Die
Freie Abiturienten- und Absolventen- Vereinigung Karbonaria zu Nürnberg wurde
am 30. Mai 1914 von elf Absolventen
der damaligen Kreisrealschule I ins Leben gerufen. Die Namen dieser
Gründungsphilister sind:
Wohl
durch den Geschichtsunterricht angeregt, und von einem starken Drang nach
Freiheit beseelt, nannten sie ihren neuen Bund "Karbonaria". Der
Name geht auf
italienische Freiheitskämpfer des 19. Jahrhunderts zurück, die
in der Zeit zwischen 1807 und 1832 in einem Geheimbund organisiert,
ursprünglich der napoleonischen Fremdherrschaft trotzten und sich schließlich
auch die Errichtung eines unabhängigen Staates mit einer freiheitlichen
Verfassung zum Ziel setzten. Ähnlich wie Freimaurer ihre Rituale von den mittelalterlichen
Bauhütten ableiteten, nahmen sich die italienischen Freiheitskämpfer die
Köhlerzunft zum Vorbild und wählten deshalb den Namen "Carbonari" (= Köhler). Die Anregung aus dem Kampf gegen
Fremdbestimmung und für freiheitliche Verfassungsrechte in Italien führte bei
den Gründungsvätern auch zur Wahl der Bundesfarben "grün-weiß-rot",
denen später im Farbencantus
noch eine weitere Sinngebung zugedacht wurde. 1.1 Wahlspruch und Bundescantus Ihr Versprechen einer Freundschaft mit
absoluter gegenseitiger Verlässlichkeit bewegte die Gründungsmitglieder den
Wahlspruch "Einigkeit macht
stark" auf ihr Banner zu schreiben, ihre Begeisterung für die
Tradition und für das Kommentleben der
Farbenträger ließ sie das Bekenntnis zu den burschenschaftlichen Idealen "Ehre, Freiheit, Vaterland"
übernehmen und veranlasste sie ihrem neuen Bund auch eine Kommentordnung
zu geben. Im Bundescantus nach der Melodie
des Siebenbürger Jägerliedes aus einer Liedersammlung von 1843 wurde ein
Bekenntnis zum Lebensbundprinzip und zur Freundschaft als lebensgestaltenden
Wert abgelegt. 1.2
Farbencantus In den turbulenten Zeiten der Weimarer
Republik verfasste unser Bb und zeitweiliger Philistersenior
Georg Herzog, der 1943 auf dem Schlachtfeld von Stalingrad sein Leben lassen
musste, den Farbencantus nach der Melodie des Liedes "Strömt
herbei ihr Völkerscharen", die der Tondichter Peter Johann Peters 1867
komponierte. Bb Herzog gab damit unseren Farben einen weiteren symbolischen
Sinngehalt. 2 Der I. Weltkrieg und die Weimarer Republik Wie sehr gespannt das Verhältnis zwischen
den Völkern insbesondere in Europa damals war, musste unser Bund erfahren,
als nur wenige Monate nach seiner Gründung der I. Weltkrieg ausbrach. 34
Philister und acht Aktive wurden zwischen 1914 und 1918 eingezogen oder
meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Sieben gefallene Bundesbrüder waren bei
Kriegsende zu beklagen, für die noch junge Korporation ein schwerer Verlust.
Trotz großer Entbehrungen gelang es auch während der Kriegsjahre, das aktive
Kneipleben aufrechtzuerhalten. 1921 war die Karbonaria Mitbegründerin der
Interessengemeinschaft der Absolventenvereinigungen Nürnberg/Fürth (IDAN) und
wurde damit zugleich korporatives Mitglied im Passauer Sammel
Convent (PSC). 3 Die Zeit im Dritten Reich und der II. Weltkrieg Nach 1933 bereitete die
"Gleichschaltung" aller Verbände und Ideen ¾ auch die der farbentragenden
Verbindungen ¾
dem aktiven Farbenleben für viele Jahre ein Ende. Das 20.
Stiftungsfest fand 1934 als letztes öffentliches Ereignis unseres Bundes
während der Herrschaft der Nationalsozialisten statt. Es schien, als sei die
so oft gesungene Liedzeile "Das
Wort das unsern Bund geschürzet, das Heil, das uns
kein Teufel raubt und kein Tyrannentrug uns kürzet, das sei gehalten und
geglaubt!" widerlegt. Für viele wurde es schwer, ein Wort zu glauben
und zu halten, das nicht mehr ausgesprochen werden durfte. Aber weder die Diktatur noch der bald
folgende II. Weltkrieg, der auch in unseren Reihen seinen Blutzoll forderte,
waren imstande das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bundesbrüder zu zerstören.
Elf Bundesbrüder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Fast das gesamte
Inventar und alle Kneiputensilien fielen dem Bombenhagel zum Opfer. Die
Überlebenden aber waren fest zu einem Neubeginn des Farbenlebens
entschlossen. 4 Neugründung und Nachkriegszeit Der Glaube an die Ideale der Farbenträger
war stark genug, unsere Verbindung von neuem entstehen zu lassen. Der
Initiative einzelner Bundesbrüder, die unermüdlich nach den durch Kriegs- und
Nachkriegswirren versprengten Freunden suchten, war es zu verdanken, dass bereits
1946 die erste Zusammenkunft zur Neugründung stattfinden konnte. So sollte
die Wiedergeburt der Karbonaria zum Beweis werden, dass unser Wahlspruch
"Einigkeit macht stark" kein leeres Wort ist, sondern einen
tragenden Wert verkörpert. Diese Überzeugung gab den Bundesbrüdern die
Kraft und den Mut, das "Haus" Karbonarias
wieder aufzubauen. Schon im Jahr 1954 konnte das 40. Stiftungsjubiläum in den
Nürnberger Humboldtsälen festlich begangen werden, und die Anwesenheit
vieler Bünde zeigte, dass die Karbonaren ihre
treuen Freunde im Kreis der Farbenträger behalten hatten 1956 wurde das im Krieg zerstörte Banner
durch eine originalgetreue Nachbildung ersetzt und in einem feierlichen
Festakt in der Nürnberger St. Johannis Kirche
geweiht. Rege war in den Folgejahren auch die
Arbeit für die Gestaltung des Verbindungslebens. So wurde u.a. eine
überarbeitete Komment-Fassung geschaffen und im Mai 1960 zum offiziellen
Kneipkomment des Bundes erklärt. 5 Der PSC - Dachverband Der Passauer Sammel
Convent (PSC), dem unsere Verbindung seit 1921 als korporatives Mitglied
angehörte, wurde nach Diktatur und Krieg 1952 unter Karbonarias
Mitwirkung als Passauer Senioren Convent (PSC) wieder gegründet. Das Vertrauen der Korporationen dieses
Kartells wurde unserer Karbonaria 1962 mit der Wahl zur Präsentierenden des
PSC und der damit verbundenen Übertragung des Kartellvorsitzes auf zwei
Jahre bekundet. Die Amtszeit endete mit dem 43. ordentlichen Kartelltag des
PSC, der am Tag vor unserem 50. Stiftungsfest in Nürnberg stattfand. 6 Eigenes Kneipheim Gemeinsam haben es die Bundesbrüder 1982
geschafft, sich ein eigenes Kneipheim im Anwesen unseres 1989 verstorbenen
Bb Georg Reuß (Rennweg 46, 90489 Nürnberg) anzumieten. Die umfangreichen
Renovierungs- Umbau- und Einrichtungsarbeiten, welche größtenteils von
sachkundigen Bundesbrüdern in Eigenleistung erbracht wurden, fanden am 4.
September 1982 mit der feierlichen Einweihungskneipe ihren krönenden
Abschluss. Mit dem Kneipheim eröffneten sich neue
Möglichkeiten für die Gestaltung unseres Verbindungslebens, was die
Gemeinschaft der Bundesbrüder mit ihren Angehörigen noch mehr zur großen Karbonarenfamilie werden ließ. 7 Die FAAV Karbonaria wird ein "e.V." Zur Eintragung ins Vereinsregister hat
sich unsere Verbindung am 19. März 1982 eine Satzung gegeben, welche mit
Beschluss vom 25. März 1982 durch eine Geschäftsordnung ergänzt wurde. 1989 überarbeitete die erweiterte
Vorstandschaft den offiziellen Kneipkomment aus dem Jahre 1960. Dabei wurden
den Bedürfnissen der Gegenwart Rechnung getragen, die Grundsätze, die seit
1914 das Selbstverständnis der Karbonaren als
Farbenträger bestimmen, aber erhalten. Die Neufassung trat mit Beschluss vom
4. April 1989 in Kraft. 8 Anhang: 1. Karbonar bin ich
und will es sein, solang´ mein Auge glüht, solange noch durch meine Brust ein
Lebensodem zieht. Karbonar bin
ich und ruf es laut und schwör´s mit Herz und Hand, ç:
drum
schlingt sich auch um meine Brust mein grün-weiß-rotes Band. 2. Manch And´rer lebt im Überfluß,
er lebt in Saus und Braus und trinkt zum wahren Überschuß
den Freudenbecher aus. Ich tausch´ um nichts in aller Welt mit
ihm um diesen Tand, ç:
denn
mir geht über Gut und Geld mein grün-weiß-rotes Band. 3. Und wenn ich einst gestorben bin und liege
tot im Schrein: Ein braver Bursch´ bin ich gewest, will´s auch im Tod
noch sein Setzt mir mein Haupt mein Cerevis, den Schläger in die Hand ç:
und
schlingt um meine kalte Brust mein grün-weiß-rotes Band! Text:
unbekannte Vorlage Melodie:
Siebenbürger Jägerlied - aus einer Liedersammlung von 1843 1. Wo die grün-weiß-rote Farbe um die
Burschenbrust sich zieht, wo die Liebe zu dem Bande heiß noch in
den Herzen glüht, deutsche Art und deutsche Sitte, deutsche
Treu´ herrscht für und für ç:
dort
in diesen Freundesreihen ist Karbonaria das Panier. 2. Wenn auch Streit und Zwietracht herrschen,
Stürme um die Heimat weh´n, Treu und Glauben sind verschwunden und
das Glück will von uns geh´n, dann mag uns ermut´gend
sagen uns´rer stolzen Farben "Grün", ç:
daß für Volk und Heimat auch einst Glück und Segen wieder
blüh´n! 3. Und das "Weiß" in uns´ren Farben soll ein Zeichen dafür sein, daß wir stets
den Schild der Ehre wollen halten blank und rein, und die Tugenden der Väter: deutsches
Recht und Ehr´ und Treu´, ç:
woll´n als höchstes Gut bewahren und gebrauchen stets auf´s Neu! 4. Daß wir jedes deutschen Bruder, Glied des großen Volkes sein, daß für Ehr´
und Recht und Freiheit stets wir wollen treten ein, daß die
Freiheit höchstes Gut uns, Deutschlands Glück uns bis zum Tod ç:
uns´res Lebens höchstes Ziel ist, das besaget unser
"Rot"! : 5. Festgefügt um uns´re
Farben, um das grün-weiß-rote Band! Einigkeit, sie macht uns stark, drum
Brüder reichet euch die Hand! Deutsche Sitte, deutsche Treue, deutscher
Sinn herrsch´ für und für ç:
und
als Wahlspruch ewig, immer: "Karbonaria sei´s Panier! :ú Text: Bb & Phil.-Sen. Georg
Herzog, gefallen 1943 Melodie:
"Strömt herbei ihr Völkerscharen", Peter Johann Peters 1867 |